de.express Garten- & Landschaftsbau Zum Portal
de.expressGarten- & LandschaftsbauGarten- & Landschaftsbau
Garten- & Landschaftsbau

Dachbegrünung: Voraussetzungen, Aufbau und Pflege

Vor jeder Dachbegrünung stehen zwei Fragen, die nichts mit Pflanzen zu tun haben: Trägt das Dach die zusätzliche Last, und ist die Abdichtung darunter dafür geeignet. Beides ist Sache von Fachleuten und muss vor der Planung geklärt sein. Erst danach geht es darum, was wachsen soll.

Statik und Abdichtung zuerst

Ein begrüntes Dach trägt Substrat, Pflanzen und Wasser, und Wasser ist schwer. Die entscheidende Größe ist die Last im vollgesogenen Zustand, nicht im trockenen. Ob das vorhandene Dach das aufnehmen kann, beurteilt eine Fachperson für Tragwerke anhand der Konstruktion. Diese Prüfung ist bei jedem Bestandsdach der erste Schritt, und sie ist nicht verhandelbar.

Der zweite Punkt ist die Abdichtung. Sie muss dicht und dafür geeignet sein, dauerhaft von einem Aufbau bedeckt zu werden, und sie muss gegen Wurzeln geschützt sein. Wurzeln finden jede Schwachstelle und arbeiten sich hindurch. Deshalb gehört eine wurzelfeste Ebene zwingend dazu. Eine ältere Abdichtung, die ohnehin bald erneuert werden müsste, wird vorher erneuert, denn unter einem fertigen Gründach ist jede Reparatur ein Rückbau.

Extensiv oder intensiv

Die Fachwelt unterscheidet zwei Grundformen, und der Unterschied ist die Aufbauhöhe:

  • Extensive Begrünung: dünner Aufbau, geringe Last, trockenheitsverträgliche Pflanzen, wenig Pflege, in der Regel keine Bewässerung, nicht als Aufenthaltsfläche gedacht
  • Intensive Begrünung: dicker Aufbau, hohe Last, echte Gartenpflanzen bis zu Gehölzen, regelmäßige Pflege und meist Bewässerung, nutzbar wie ein Garten

Für die meisten Garagen, Carports und Nebendächer im Bestand kommt die extensive Variante infrage, weil die Lastreserve begrenzt ist. Sie ist auch die pflegeärmste. Wer ein nutzbares Dach will, plant das in der Regel beim Neubau, weil die Konstruktion darauf ausgelegt sein muss.

Der Aufbau

Über der Abdichtung und dem Wurzelschutz folgt eine Ebene, die Wasser speichert und überschüssiges ableitet, darüber ein Filter, der verhindert, dass feine Bestandteile ausgespült werden, und darauf das Substrat. Substrat ist dabei keine Gartenerde: Es ist ein mineralisch geprägtes Gemisch, das leicht ist, Wasser speichert und dauerhaft strukturstabil bleibt. Gartenerde würde sich verdichten, zu schwer werden und die Entwässerung zusetzen.

Der wichtigste konstruktive Punkt ist die Entwässerung. Abläufe müssen zugänglich und kontrollierbar bleiben und werden deshalb mit einem vegetationsfreien Streifen umgeben. Genauso wird an Rändern, Anschlüssen und Aufbauten ein Streifen aus Kies oder Platten angelegt. Diese Streifen sind kein gestalterisches Detail, sondern die Voraussetzung dafür, dass das Dach dauerhaft funktioniert und geprüft werden kann.

Pflanzen und Anwuchs

Auf einem extensiven Dach herrschen Bedingungen wie an einem trockenen, sonnigen und windigen Extremstandort. Dort funktionieren Pflanzen, die genau darauf eingerichtet sind: dickblättrige Arten, trockenheitsverträgliche Kräuter und Gräser. Alles andere kommt über den ersten Sommer nicht hinaus.

Auch ein extensives Dach braucht eine Anwachsphase mit Wasser, bis die Pflanzen etabliert sind. Das wird oft übersehen, weil die fertige Begrünung als wartungsfrei gilt. Sie ist es später weitgehend, aber nicht am Anfang.

Pflege ist Pflicht

Wartungsfrei ist ein Gründach nicht. Ein bis zwei Kontrollgänge im Jahr gehören dazu, und dabei geht es weniger um Optik als um Funktion: Abläufe freihalten, Anflug von Gehölzen entfernen, Ränder kontrollieren, Vegetationsstand prüfen. Der Gehölzanflug ist der kritische Punkt. Was als Sämling harmlos aussieht, wird zur Wurzel, die an die Abdichtung geht. Diese Kontrolle ist der günstigste Teil eines Gründachs und der, der am ehesten vergessen wird.

Was es bringt und was zu klären ist

Ein Gründach hält Regenwasser zurück und gibt es verzögert ab, es schützt die Abdichtung vor Sonne und Temperaturwechseln und verbessert das Kleinklima. Manche Kommunen berücksichtigen Dachbegrünung bei den Gebühren für Niederschlagswasser, andere fördern sie, und teils schreiben Bebauungspläne sie vor. Was am Ort gilt und ob eine Genehmigung nötig ist, sagt die zuständige kommunale Stelle. Diese Frage gehört an den Anfang, weil sie über Aufbau und Nachweise mitentscheidet.

Kurz zusammengefasst

Klären Sie Statik und Abdichtung, bevor Sie über Pflanzen sprechen. Wählen Sie die Bauform nach der Lastreserve, halten Sie Abläufe und Randstreifen frei, verwenden Sie Substrat statt Gartenerde und planen Sie die Kontrolle fest ein. Ein Gründach ist pflegearm, aber nicht pflegefrei.

← Alle Beiträge aus Garten- & Landschaftsbau