Bewässerung planen: Von der Handbrause bis zur automatischen Anlage
Eine gute Bewässerung gibt Wasser dorthin, wo es gebraucht wird, und zwar selten und durchdringend. Technik ist dabei das letzte Glied. Zuerst kommt die Frage, welche Flächen tatsächlich Wasser brauchen, denn ein Garten, der nach dem Standort geplant ist, braucht deutlich weniger, als die Anlage könnte.
Die Wasserfrage kommt vor der Technik
Der wirksamste Beitrag zur Bewässerung ist die Pflanzenauswahl. Ein Bestand, der zum Boden und zum Licht passt, kommt nach der Anwachsphase weitgehend mit dem aus, was vom Himmel kommt. Wer gegen den Standort pflanzt, baut sich eine dauerhafte Abhängigkeit von Technik. Was der Boden hergibt, zeigt die Bodenprobe.
Der zweite Punkt ist der Boden selbst. Ein Boden mit gutem Humusanteil speichert Wasser, ein verdichteter lässt es abfließen, bevor es ankommt. Mulch bremst die Verdunstung an der Oberfläche erheblich. Diese Maßnahmen wirken dauerhaft und kosten keinen Strom.
Wie richtig gewässert wird
Die Regel für etablierte Bestände lautet: selten, aber durchdringend. Der Grund ist die Wurzel. Wer täglich ein wenig gibt, hält die Feuchtigkeit oben, und die Wurzeln folgen ihr nach oben. Beim nächsten Trockenfall stehen sie genau dort, wo der Boden zuerst austrocknet. Wer selten und tief wässert, zieht Wurzeln nach unten, wo sie länger versorgt sind.
Ausnahmen sind Aussaaten und frisch verlegter Rollrasen. Dort geht es zunächst um Keimung und Anwuchs an der Oberfläche, und dafür wird häufiger und weniger gegeben. Sobald die Fläche geschlossen ist, wird umgestellt. Diese Umstellung wird oft vergessen, und daraus entstehen die Flächen, die trotz Anlage im Sommer leiden.
Die Technik: passend statt maximal
Für unterschiedliche Flächen gibt es unterschiedliche Mittel:
- Handbrause: flexibel, geeignet für kleine Flächen und Gefäße, verlangt Zeit
- Tropfschläuche: geben Wasser direkt an der Wurzel ab, wenig Verdunstung, ideal für Beete und Hecken
- Versenkregner: für zusammenhängende Rasenflächen, verlangen Planung der Überdeckung
- Sprühdüsen: für kleinere und verwinkelte Flächen
- Gefäßbewässerung: eigener Kreis, weil Töpfe einen ganz anderen Rhythmus haben
Der klassische Planungsfehler ist, Beet und Rasen an denselben Kreis zu hängen. Beide haben völlig unterschiedliche Ansprüche an Menge und Häufigkeit. Was für den Rasen passt, ertränkt das Staudenbeet oder umgekehrt. Getrennte Kreise sind keine Luxusausstattung, sondern die Voraussetzung dafür, dass eine Anlage sinnvoll arbeitet.
Was eine Anlage voraussetzt
Eine feste Anlage braucht Wasser in ausreichender Menge und mit ausreichendem Druck. Das ist die erste Frage, und sie wird vor der Planung geklärt, nicht danach. Reicht die Versorgung nicht, lassen sich nicht alle Kreise gleichzeitig betreiben, und die Anlage wird in Abschnitte geteilt.
Wichtig sind außerdem der Schutz des Trinkwassernetzes gegen Rückfluss, eine fachgerechte Verlegung der Leitungen frostsicher oder entleerbar und die Wintervorbereitung. Eine Anlage, die im Herbst nicht entleert wird, ist im Frühjahr ein Schadensfall. Diese Punkte sind der Grund, warum Bewässerung ein eigenes Fachgebiet ist.
Steuerung und Regenwasser
Eine Zeitschaltuhr allein wässert stur, auch im Regen. Sinnvoll ist eine Steuerung, die auf den tatsächlichen Bedarf reagiert, etwa über einen Sensor, der Niederschlag oder Bodenfeuchte erfasst. Ohne diese Rückmeldung ist eine automatische Anlage vor allem eine Maschine, die zuverlässig Wasser verbraucht.
Regenwasser ist die naheliegende Quelle. Es fällt ohnehin an, ist kalkfrei und kostet nichts. Eine Zisterne oder ein Speicher lässt sich mit einer Bewässerung verbinden, und der Zeitpunkt, das mitzudenken, ist während der Erdarbeiten. Später ist es ein Eingriff in fertige Flächen. Auch das Verteilen der Leerrohre gehört in diese Phase, selbst wenn die Anlage erst in einigen Jahren kommt.
Fazit
Planen Sie zuerst die Pflanzung nach dem Standort, dann den Boden, dann die Technik. Wässern Sie etablierte Bestände selten und durchdringend, trennen Sie Beet und Rasen in eigene Kreise, klären Sie Wassermenge und Druck vorher und lassen Sie die Anlage auf Regen reagieren. Die beste Bewässerung ist die, die selten laufen muss.