Insektenfreundlicher Garten: Was tatsächlich wirkt
Ein insektenfreundlicher Garten liefert drei Dinge: Nahrung über die gesamte Saison, Pflanzen, an denen sich Arten fortpflanzen können, und Strukturen zum Überwintern. Das Insektenhotel steht in dieser Reihenfolge weit hinten. Was wirklich wirkt, ist meist unspektakulär und spart obendrein Arbeit.
Heimische Arten und ungefüllte Blüten
Der wirksamste Hebel ist die Pflanzenauswahl. Viele heimische Insekten sind an heimische Pflanzen gebunden, teils sehr eng: Manche Wildbienen sammeln Pollen nur an einer bestimmten Pflanzengruppe. Fehlt diese Pflanze, hilft ihnen kein noch so blütenreiches Beet. Deshalb sind heimische Wildstauden, Sträucher und Bäume die Grundlage.
Der zweite Punkt sind gefüllte Blüten. Bei ihnen sind die Staubblätter zu zusätzlichen Blütenblättern umgebildet. Sie sehen üppig aus und bieten oft weder Pollen noch erreichbaren Nektar. Für Insekten sind sie Dekoration. Ungefüllte, offene Blüten mit sichtbarer Mitte sind der Standard, auf den man achten sollte, und dieser Blick kostet nichts.
Die ganze Saison abdecken
Nahrung im Hochsommer haben die meisten Gärten. Kritisch sind die Ränder des Jahres. Im zeitigen Frühjahr, wenn die ersten Insekten fliegen, blüht wenig, und im Spätsommer und Herbst geht das Angebot zurück, während viele Arten noch versorgt werden müssen.
Ein Garten wird also nicht dadurch besser, dass im Juni mehr blüht, sondern dadurch, dass am Anfang und am Ende überhaupt etwas blüht. Besonders wirksam sind früh blühende Gehölze und Zwiebelpflanzen, denn sie liefern in kurzer Zeit große Mengen. Ein einzelner blühender Baum bietet mehr Nahrung als ein ganzes Beet.
Fortpflanzung und Überwinterung
Nahrung allein reicht nicht. Insekten müssen sich fortpflanzen und überwintern, und dafür brauchen sie Strukturen:
- Offene Bodenstellen: Die meisten Wildbienen nisten im Boden, nicht in Röhrchen.
- Totholz: liegend oder stehend, ein Lebensraum für viele Arten
- Hohle Stängel: Stauden, die über den Winter stehen bleiben
- Laub- und Reisighaufen: Quartier in einer ruhigen Ecke
- Steine und Sand: warme, trockene Stellen
- Wasser: eine flache Stelle mit Landemöglichkeit
Der Punkt mit dem Boden überrascht viele. Ein Garten, in dem jede Fläche gemulcht, befestigt oder dicht bewachsen ist, bietet bodennistenden Arten nichts. Eine kleine offene, sonnige und sandige Stelle ist wirksamer als jedes gekaufte Nisthilfensystem, und sie kostet nichts.
Weniger aufräumen
Der wirksamste Beitrag ist das Unterlassen. Ein Garten, der im Herbst blank geräumt wird, verliert genau die Strukturen, in denen Insekten überwintern. Stauden, die stehen bleiben, Laub, das unter Gehölzen liegt, ein Haufen in der Ecke: Das ist die Überwinterung. Wer im Herbst schneidet und räumt, entfernt sie.
Der Rückschnitt der Stauden kann bis zum Austrieb warten. Auch beim Rasen wirkt Zurückhaltung: Eine Fläche, die seltener und höher gemäht wird, blüht und ernährt. Wer eine Ecke stehen lässt oder nur zweimal im Jahr mäht, schafft Lebensraum und spart Arbeit gleichzeitig. Das ist eine der wenigen Stellen, an denen beides zusammenfällt.
Was nicht hilft
Einiges, was gut gemeint ist, wirkt kaum. Gekaufte Nisthilfen sind oft mit ungeeigneten Materialien bestückt und werden schlecht angenommen, wenn im Umfeld die Nahrung fehlt. Eine Nisthilfe ohne Blüten in Flugweite ist ein Möbelstück.
Ebenso kritisch sind Blühmischungen ohne Bezug zur Region. Sie blühen bunt, oft mit Arten, die hier keine Partner haben, und sie sind meist einjährig. Im nächsten Jahr ist die Fläche wieder leer. Eine dauerhafte Pflanzung aus heimischen Stauden leistet mehr. Und schließlich: Der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel im Garten ist keine Ergänzung, sondern die Voraussetzung. Ein Mittel, das Schädlinge trifft, trifft auch alles andere.
Fazit
Pflanzen Sie heimische Arten mit ungefüllten Blüten, decken Sie das frühe Frühjahr und den Spätsommer ab, lassen Sie offene Bodenstellen, Totholz und Stängel stehen und räumen Sie im Herbst weniger auf. Der insektenfreundliche Garten ist kein zusätzlicher Aufwand, sondern meist ein geringerer.